Eilantrag zum Schutz der Steinriffe vor Borkum aufgehoben
Pressemitteilung
Im April 2023 entdeckten Forschungstaucher bei umfangreichen Tauch- und Unterwasseruntersuchungen wertvolle Steinriffe rund um die geplante Förderplattform und entlang der Kabeltrasse zum Windpark Borkum Riffgatt. Bei den taucherischen Erfassungen konnten 88 Arten bestimmt werden, wovon jede fünfte auf der Roten Liste Deutschlands als gefährdet eingestuft ist. Steinriffe zeichnen sich durch eine besonders hohe Artenvielfalt aus und bieten vielen Tierarten Nahrung sowie Versteck- und Laichmöglichkeiten. Davon profitieren auch zahlreiche Seevögel und Meeressäugetiere wie Robben, die auf den Sandbänken vor Borkum ruhen. Die Wiederherstellung von Riffen ist kompliziert, Erfolge sind schwer abzuschätzen und der Prozess kann Jahrzehnte in Anspruch nehmen.
Nachdem das Verwaltungsgericht Oldenburg kürzlich dem Eilantrag der Deutschen Umwelthilfe stattgegeben und somit den Bau der Kabeltrasse vorerst verhindert hatte, entschied das Oberverwaltungsgericht Lüneburg am 11. August 2025 nach einer Beschwerde von ONE-Dyas, dass ein öffentliches Interesse an der Verlegung des Kabels bestehe. Mit dieser Entscheidung wurde der Stopp für die Bauarbeiten auf der Kabeltrasse aufgehoben. Damit sind vorerst alle gerichtlichen Möglichkeiten, die Riffe zu schützen, ausgeschöpft. Das Unternehmen teilte mit, dass es noch im August mit der Räumung der Trasse und der Verlegung des Kabels beginnen möchte.
Für die Stadt Borkum ist es unverständlich, wie man angesichts der Artenkrise, solche wertvollen Lebensräume in unmittelbarer Nähe zum UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer und Natura 2000-Gebieten für eine fossile Erdgasförderung opfert. Ende Juli hatte der Internationale Gerichtshof in einem Gutachten doch erst noch einmal die Bedeutung einer intakten Umwelt für die Menschenrechte herausgestellt.
Auch der Bürgermeister der Stadt Borkum, Jürgen Akkermann, äußert sich kritisch: “Das Kabel wird benötigt, um die Stickstoffbelastung durch die Plattform kleiner zu halten. Dafür wird jetzt die Beschädigung, wenn nicht die Zerstörung wertvoller Riffe in Kauf genommen. Dieses Vorgehen ist vor dem Hintergrund der vielen offiziellen Bekenntnisse zur immensen Bedeutung des Meeresschutzes in keiner Weise nachvollziehbar."
Die Stadt Borkum wird nun zusammen mit der Inselgemeinde Juist und den Umweltorganisationen sich auf die Klagen gegen die Bohrgenehmigungen fokussieren.
Zur Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe:
Gasbohrungen vor Borkum: Deutsche Umwelthilfe setzt nach Gerichtsentscheidung auf Erfolg ihrer Klagen gegen Bohrgenehmigungen - Deutsche Umwelthilfe e.V.