Offener Brief des Bürgermeisters wegen des Coronavirus

Liebe Borkumerinnen, liebe Borkumer,

seit Wochen beobachten wir alle die Entwicklung bezüglich des Coronavirus mit Sorge. Seit Montag hat die Krise auch unsere Insel in besonderem Maße erreicht, auch wenn es hier nach wie vor keinen Corona-Fall gibt. Die Situation ist beispiellos, seit dem Ende des zweiten Weltkrieges gab es für die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land keine vergleichbaren Einschränkungen der persönlichen Freiheit und keine vergleichbare Bedrohung der Gesundheit. Das Ansteckungspotenzial des Virus ist allerdings so groß, dass jetzt die Zeit zum Handeln gekommen ist.

Unserer Insel stehen harte Zeiten bevor. Das Wegbleiben der Gäste stellt neben der Bedrohung der Gesundheit durch das Virus eine nicht gekannte Belastung für alle dar. Wie lange dieser Zustand anhalten wird und ob noch weitere einscheidendere Maßnahmen erforderlich sein werden, kann zurzeit keiner vorhersagen. Damit kommen bei sehr vielen Borkumerinnen und Borkumern neben der Sorge um die Gesundheit auch noch massive und reale Existenzängste hinzu, auf die die Politik eine Antwort finden muss. Es kommen hierzu positive Signale, dass der Bund und das Land die Unternehmer nicht alleine läßt. Allerdings muss die Ausgestaltung noch erarbeitet werden. Hierbei muss unbürokratische und schnelle Hilfe oberstes Gebot sein.

Die Stadtverwaltung und ich persönlich engagieren sich sehr, um alle Bürgerinnen und Bürger in ihrer speziellen Situation zu unterstützen und zu beraten. Die Reiseerlaubnis nur für Personen mit dem ersten Wohnsitz auf der Insel habe ich beispielsweise vehement hinterfragt und an die Landesregierung herangetragen. Der Landrat hat mich dabei unterstützt. Die Entscheidung der Landesregierung ist leider eindeutig und unmissverständlich: es gibt keine Härtefallregelung in dieser Hinsicht und keine Aufweichung dieser Bestimmung. Diese Regelung trifft neben vielen Borkumer Familien mit Angehörigen auf dem Festland auch mich persönlich. Vor dem Hintergund sich schnell steigernder Infektionen müssen wir diese strikte Regelung leider schweren Herzens hinnehmen.

Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ich sind bemüht, die Verwaltung und die städtischen Betriebe auch in Zeiten der Krise aufrechtzuerhalten. Aus diesem Grund haben wir an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter strikte Verhaltensregeln ausgegeben und den Besucherverkehr auf das absolut Notwendige beschränkt.

Wir als Verwaltung werden häufig gefragt, wie es weitergeht. Die ehrliche Antwort ist, dass es wenig verlässliche Voraussagen gibt. Sicher ist, dass der Virus sich ausbreiten und ein Großteil der Bevölkerung sich damit infizieren wird. Die Frage ist, wie lange wir diesen Prozess verlangsamen und damit die Zahl der Opfer klein halten können. Es muss damit gerechnet werden, dass in der kommenden Zeit weitere einschneidende Maßnahmen angeordnet werden. Ob das passiert, und wann das sein wird, hängt von der Wirksamkeit der aktuellen Maßnahmen ab. Hier ist auch jede(r) Einzelne gefordert. Auch die Verhaltensregeln, wie sie auf unserer Internetseite veröffentlicht sind, sind ein entscheidender Baustein, die Infektionswege zu unterbrechen und damit insgesamt zu verlangsamen. Ich bitte alle inständig, sich diese zu Herzen zu nehmen und aktiv in ihr Arbeiten und Leben einzubauen.

Die verabschiedeten einschneidenden Maßnahmen führen jetzt schon dazu, dass einzelne Mitbürgerinnen und Mitbürger Hilfe benötigen. Wir Insulaner müssen jetzt zusammenstehen und uns gegenseitig unterstützen. Schützen sie sich und andere, achten sie auf einander und besonders auf Alleinstehende und die Mitmenschen, für die ein besonderes Risiko besteht. Sie benötigen im besonderen Maße unseren Schutz und unsere Hilfe.

In besonderen Härtefällen bieten wir als Stadtverwaltung natürlich auch weiterhin unsere persönliche Hilfe an.

Bleiben Sie gesund.

Jürgen Akkermann

Bürgermeister